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Durchblick im Nadel-Wald

 In den letzten Monaten ist mir oft aufgefallen, dass selbst erfahrene Nähbienen oft nicht durch das große Angebot an Nähmaschinennadeln durchblicken.

Lange Zeit ging es mir auch so, obwohl das Thema „Nadeln“ beim Nähen sogar sehr wichtig ist, aber diese ganzen Kürzel und Zahlen auf den Packungen waren ein Mysterium.

Bis ich mich einmal richtig damit auseinandergesetzt habe und ich muss sagen...

Es kann so einfach sein!

Damit wir jetzt alle den Durchblick haben, gibt’s für euch die Erklärungen zum Kauderwelsch auf den Verpackungen.

 

Die Nadelpackung

Egal welchen Hersteller man wählt, die Angaben auf den Verpackungen sind immer die gleichen

  • Hersteller

  • Stoff- oder Nadelart

  • Nadelsystem

  • Nadelstärke

 Lediglich die Reihenfolge kann von Hersteller zu Hersteller dabei variieren.

 Die bekanntesten Hersteller für Nähmaschinennadeln sind

 

Schmetz (auch in Verpackungen von Prym, Buttinette usw.)

 

oder

 

Organ (auch in Verpackungen von W6, Madeira usw.).

 

Ich persönlich schwöre auf Schmetz-Nadeln, aber genauso wie bei Garnen hat da jeder seine persönlichen Lieblinge.

 

Welche Nadelarten gibt es?

Genauso wie es viele verschiedene Stoffarten gibt, gibt es auch viele verschiedene Nadelarten, aber warum ist das so?

 

Jeder Stoff hat ganz bestimmte Eigenschaften, wegen denen wir sie ja für unsere Projekte auswählen. Es gibt Natur- und Chemiefasern, dehnbare und nicht dehnbare Stoffe, Webware und Maschenware, dicke und dünne Stoffe, Netzgewebe, Walk, Filz, Kork, Leder und Lederimitate und seit einiger Zeit sogar Papierstoff.

 

Bei einer Vielzahl an Eigenschaften die Stoffe mit sich bringen können, muss es einfach für jeden eine Nadel geben, die auch mit diesen Eigenschaften klar kommt.

 

Nehmen wir mal das gängigste: Jersey

 Jersey ist eine Maschenware, dass aus Baumwolle, Viskose, Seide oder sogar Wolle hergestellt werden kann. Da es eine Maschenware ist wird es (meist) gestrickt und das bedeutet, wenn man eine Faser durchtrennt, dann kann eine „Laufmasche“ entstehen. Stellt man sich nur mal einen Strickschal vor und zerschneidet in diesem einen Faden, dann ist der Schal hin. Das sollten die meisten kennen und genauso kann es beim Jersey auch passieren, wenn man z.B. eine Ledernadel benutzt.

 

Ledernadeln haben eine Schneidspitze und können beim Nähen daher auch einzelne Fasern durchtrennen - eine Jerseynadel hingegen ist vorne abgerundet (Kugelspitze). Sie durchtrennt also die Fasern nicht, sondern schiebt sie auseinander, um Platz für den Faden zu schaffen.

 

Welche Nadelarten gibt es also wofür?

 

 

Nadelart

Spitze

Farb-

markierung

Stärke

Verwendung

Universal

leicht verrundet

Keine

60-130

Mantelstoffe, Loden, Chenille, Anzugstoffe, Frottee, Chambrey, Cord, Filz, Nessel, Jaquard, Gardienen, Leinen, Velours, Webpelz, Double Face, Wollgewebe, Gabardine, Pelzimitate, Fleece, dünnes Leder, Samt, Tüll, Viskose, Polyester, Brokat, Nylon, Popeline, Chiffon, Organza, Taft, Batist, Pannesamt usw.

Jersey

Mittlere Kugelspitze

Orange

70-100

Jersey, Webpelz, Wirk- und Strickware, Strickstoff, Maschenware, Lycra, Tüll, Gaze, Ajour, Pelzimitate, Reversible, Bouclé, Miederstoffe

Stretch

Mittlere Kugelspitze

Gelb

65, 75, 90

Jersey (inkl. Fein-, Seiden- und Singlejersey), elastische Maschenware/Materialien, Stoffe mit Stretchanteil, Nickistoff, Samt, Thermovelours, Ausbrennersamt, Lycra

Jeans

Mittlere Kugelspitze

Blau

70-110

Köper, Denim, Jeans, Arbeitskleidung

Leder

Schneid-

spitze

Braun

70-120

Dünnes und dickes Leder, Kunstleder

Microtex

Spitz

schlank

Violett

60-110

Chiffon, Organza, Popeline, Nylon, Seide, Polyester, Folien, Pailettenstoffe, Kunstleder, Wachstuch, Brokat, beschichtete Materialien, Krepp usw.

Steppen

Quilten

Schlank

leicht verrundet

Grün

75,

90

Patchworken, Quilten, Stepparbeiten

aller Stoffe

Sticknadel

Kleine Kugelspitze

Rot

75,

90

Effektfäden, Sticken

Gold Sticknadel

Kleine Kugelspitze

keine

75,

90

Nadel hat Titannitridbeschichtung (goldfarben),

Sticken mit hohen Stichzahlen, für Metallfädern, Effektfäden

Metallicnadel

Leicht verrundet

Altrosa

80/90

Verarbeiten von Spezial-/Effektfäden

Nachsticknadel

Leicht verrundet

Hellgrün

70-110

Zier- und Appstepparbeiten mit mehreren Fäden, zum Nachsticken fehlender Stiche einer Stickerei

Hohlsaum

Leicht verrundet

100,

120

Keine

dekorative Ziernähte und Holsaumeffekte

Doppelöhr

Leicht verrundet

80

Keine

Zierarbeiten mit Effektfäden

Öhrschlitz

Leicht verrundet

80,

90

Keine

Besonders leichtes Einhängen des Fadens ins Öhr

Zwillings-

und

Drillings-

nadeln

Rot Markierung = Universal/Sticken

Blaue Markierung = Stretch/Jeans

erhältlich für fast alle Materialien und Näharbeiten (Spitzen entsprechen dann den Einzelnadeln)

 

Die Angabe 2,0/2,5/4,0 etc. gibt die Entfernung zwischen den Nadeln an.

Biesen, Ziernähte, Saumnähte

 

 

 Das Nähnadelsystem

 Für unsere Haushaltsnähmaschinen gibt es zwei Nadelsysteme

 

  1. Rundkolben
    Diese Tragen die Systembezeichnung 287 WH (W=Wäsche, H=Hohlkehle).
    Bei diesen Nadeln ist der Kolben rund, daher auch die Bezeichnung „Rundkolben“.
    Rundkolbennadeln werden jedoch nur noch sehr selten eingesetzt und sind bei modernen Maschinen eher nicht zu finden.

  2. Flachkolben
    Diese Tragen die Systembezeichnung 130/705 H (H=Hohlkehle).
    Bei diesen Nadeln ist der Kolben an der Rückseite abgeflacht, dies erleichtert das richtige Einsetzen der Nadel. Sie werden bei modernen Nähmaschinen eingesetzt und sind die gängigste Nadelart.

Welche der beiden Systeme du benötigst steht in deiner Bedienungsanleitung.

Der Systembezeichnung werden weitere Buchstaben angefügt, die Auskunft darüber geben, um welche Nadelart es sich handelt.

 

Buchstaben

Nadelart / Beschreibung

E

Sticknadel

E= Embroidery (englisch für Sticken)

ET

Gold-Sticknadel

E= Embroidery

T=Titannitrid (Beschichtung der Nadel)

J

Jeansnadel

J=Jeans

M

Microtexnadel

M=Microtex

Q

Steppnadel

Q=Quilt (ein Quilt ist eine Steppdecke)

S

Stretchnadel

S= Stretch

LL

Ledernadel

LL= Lederlinkspitze

SUK

Jerseynadel

SUK= Bezeichnung für mittlere Kugelspitze

ZWI

Zwillingsnadel

DRI

Drillingsnadel

ZWIHO

ZWI=Zwillingsnadel

HO= Hohlsaumnadel

705 HDK

Öhrschlitznadel

705 DE

Doppelöhrnadel

DE=Double Eye (doppeltes Auge)

130 MET

Nadel für Metallicgarne

MET=Metallic

130 N

Nachsticknadel

 

 

Beispiele:

130/705 H-LL

Flachkolben - Ledernadel

 

130/705 H-J ZWI

Flachkolben – Jersey Zwillingsnadel

 

130/705 H-E

Flachkolben - Sticknadel

 

 

Die Nadelstärken

Nach den Angaben über das Nadelsystem und- Art folgt die Nadelstärke. Diese wird als metrische Nummer (NM= Nummer metrisch) angegeben. Sie gibt den Durchmesser der Nadel oberhalb der Hohlkehle in 1/100 mm an. Zusätzlich zur metrischen Nummer wird auch noch die alte Nadelstärkenbezeichnung von Singer angeben, diese ist in England, Amerika und Asien jedoch noch gängig. Kann von uns aber gekonnt ignoriert werden.

 

Ganz einfach kann man sich merken:

Je größer die Zahl, desto dicker die Nadel

 

Bei der Wahl der richtigen Nadelstärke sollte man überlegen was für einen Stoff man hat, denn mit einer dicken Nadel macht man auch große Löcher. Also gilt: Je feiner der Stoff, desto niedriger die Nadelstärke.

 

Beispiel:

Steht die Angabe „80/12“ auf einer Nadel, dann ist gemeint:

 

Nadelstärke metrisch: 80

Die Nadel ist also 0,8mm dick (80/100mm)

Alte Singer Bezeichnung: 12

 

NM

Dicke in mm

Singer

35

0,35

2

40

0,4

3

45

0,45

4

50

0,5

5

55

0,55

6

60

0,6

8

65

0,65

9

70

0,7

10

75

0,75

11

80

0,8

12

85

0,85

13

90

0,9

14

95

0,95

15

100

1

16

105

1,05

17

110

1,1

18

120

1,2

19

125

1,25

20

130

1,3

21

140

1,4

22

150

1,5

 

160

1,6

23

180

1,8

24

200

2

25

 

Was uns die Farbstreifen sagen

Die Farbmarkierungen sind ein praktischer Helfer, wenn man mal wieder vergessen hat, in welcher Packung die Nadel war oder einem alles aus der Hand gefallen ist und wild durcheinander liegt.

 

Sie sagen uns nämlich

  1. welche Nadelart es ist und

  2. welche Nadelstärke.

Als ich das rausbekommen habe, dachte ich „Wie cool ist das bitte?“.

 Ja gut...die Nadelstärke ist auch auf den Kolben eingeprägt, aber mal ehrlich...da muss man sich echt anstrengen um das lesen zu können.

 

Ein kleiner Blick auf die Farbkarte (wenn man es nicht im Kopf hat) geht da doch viel schneller!

Der obere Farbring sagt uns welche Nadelart es ist, der untere gibt an welche Nadelstärke.

 

Auf der Seite von Schmetz *klick* findet ihr übrigens viele weitere Informationen und Übersichten zu allen Nadelarten.

Wer tiefer in die Materie eindringen möchte, sollte sich das unbedingt ansehen.

 

Eure Susann

vom Stoffengel Nähstudio

 

Quelle: Schmetz.com

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